Bewegende Momente beim DDS-Seminar in Warschau
Anfang September fand in Warschau ein Seminar von Decke des Schweigens statt – geleitet von einem Team frisch ausgebildeter polnischer Referentinnen. Neben den Lehren und gemeinsamen Gebetszeiten stand ein Thema besonders im Mittelpunkt: der Konflikt zwischen Polen und der Ukraine.
Zum historischen Hintergrund
Zwischen Polen und der Ukraine gibt es eine lange, schmerzhafte gemeinsame Geschichte. Ein zentraler Wendepunkt war der Völkermord in Wolhynien 1943/44, als ukrainische nationalistische Kräfte (UPA) im damals polnisch verwalteten Gebiet Wolhynien und Ostgalizien zehntausende polnische Zivilisten ermordeten – begleitet von Vergeltungsschlägen auf polnischer Seite gegen ukrainische Bevölkerung. Diese Wunde wirkt bis heute nach. Gleichzeitig reicht die Geschichte weiter zurück: Über Jahrhunderte hinweg dehnte sich polnischer Adel nach Osten in ukrainisches Gebiet aus und unterdrückte dabei die einheimische Bevölkerung wirtschaftlich und kulturell. Beide Völker tragen also Geschichten von Schuld und von erlittenem Leid in sich – ein Erbe, das bis in die Gegenwart hineinwirkt, gerade jetzt, wo seit Kriegsbeginn 2022 über eine Million Ukrainer in Polen leben.
Ein Moment tiefer Versöhnung
Unsere ukrainische Referentin Nastia sprach offen über diese historischen Wunden und beugte sich als Ukrainerin stellvertretend für den Völkermord in Wolhynien. Diese Geste traf tief. Mehrere polnische Teilnehmer traten unter Tränen nach vorne. Auch sie beugten sich – stellvertretend für polnische Überheblichkeit gegenüber der Ukraine und die Schuld auf der Seite der Polen.
Frei von der Opfermentalität
Ein weiteres Zeugnis prägte das Seminar. Eine Teilnehmerin, die vor zwei Jahren an einem DDS-Seminar in Lublin dabei war, berichtete, wie sehr sie die Botschaft über die Opfermentalität verändert hat. Bei einem Besuch in Deutschland durfte sie durch die Begegnung mit einer deutschen Familie echte Heilung und Versöhnung erleben – und erkannte dabei, wie sehr die Opfermentalität bisher sowohl ihre Beziehungen als auch ihren Dienst geprägt hatte.
Noch vor wenigen Monaten hätte sie gesagt: „Ich kann unmöglich vor anderen sprechen.“ Doch Gott hat sie genau von dieser Angst befreit. Beim Seminar erzählte sie, wie er sie Schritt für Schritt aus der Opfermentalität herausgeführt wurde.





