Am 23. und 24. Mai fand das erste Seminar „Decke des Schweigens“ in Haarlem bei Amsterdam statt. Mehr als 60 Teilnehmer aus verschiedenen Städten der Niederlande kamen zusammen, um sich mit der Geschichte des Schweigens auseinanderzusetzen und Wege der Erinnerung und Versöhnung zu gehen.
Historischer Ort mit bewegender Geschichte
In Haarlem steht das historische Corrie ten Boom-Haus. Dieses Haus, das vielen als „The Hiding Place“ bekannt ist, bot zwischen 1940 und 1944 hunderten Juden und Widerstandskämpfern Schutz vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Der kleine Raum hinter einer falschen Wand, in dem Menschen vor dem Tod bewahrt wurden, ist bis heute erhalten geblieben.
Was viele nicht wissen: Die Familie ten Boom betete bereits seit 1844 Woche für Woche in ihrem Haus für Israel und das jüdische Volk. Diese treue Fürbitte wurde 100 Jahre lang aufrechterhalten, bis 1944.
Dass die Familie Juden versteckte und ihnen das Leben rettete, war somit nicht nur ein Akt des Widerstands, sondern Ausdruck eines jahrzehntelangen Lebensstils der gelebten Nächstenliebe und Solidarität mit dem jüdischen Volk. Ein kraftvolles Zeugnis von Beständigkeit und unerschütterlicher Liebe zu Israel.
Vom Seminar zum Marsch des Lebens
Das Decke des Schweigens-Seminar selbst war geprägt von einer spürbaren Gegenwart Gottes. Viele Teilnehmer erlebten tiefe persönliche Berührung und Überführung. Wim Verwoerd, der das Seminar in Haarlem organisiert hatte, lud am Ende die Anwesenden ein, am Marsch des Lebens am 15. Juni teilzunehmen – und fast alle sagten zu.
Nur einen Monat später, beim Marsch des Lebens in Haarlem, versammelten sich über 400 Menschen aus dem ganzen Land. Gemeinsam setzten sie ein Zeichen gegen Antisemitismus und für das jüdische Leben in den Niederlanden. Mit dabei waren der Oberrabbiner der Niederlande Binyomin Jacobs und eine Holocaust-Überlebende aus Amsterdam, deren Zeugnisse die Teilnehmer tief bewegten.
Auch wenn am Rand der Veranstaltung laute „Free Palestine“-Rufe zu hören waren und sich vereinzelt Widerstand zeigte, war der öffentliche Zuspruch und die Teilnahmebereitschaft deutlich stärker. Viele Menschen bekannten sich sichtbar zu Israel und gegen das Schweigen über die Geschichte. Die Botschaft des Tages war klar: Wir schweigen nicht!





