„Von meinem Kopf her hatte ich Buße getan, aber mein Herz war distanziert. Ich war emotional abgeschnitten gewesen, und das ist an diesem Abend zerbrochen.“ Sr. Damiana von den Marienschwestern Darmstadt berichtet.
Mein Großvater väterlicherseits war im Russlandfeldzug. Ich dachte, ich hätte da schon sehr viel aufgearbeitet, weil wir als Marienschwesternschaft uns bereits sehr früh mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Doch trotz aller Aufarbeitung hatte ich manchmal das Gefühl: „Irgendwas fehlt noch!“, konnte das jedoch an nichts festmachen. Einige Tage, bevor ein Team aus Tübingen zu Besuch kam, um für mich und mit mir zu beten, sah ich in meinem Geist Bilder: Bleistiftzeichnungen von Menschen, Gesichtern und Menschengruppen. Ich habe den Herrn gefragt, wer das sei, weil ich die Gesichter nicht kannte. Am Abend nach dem Besuch sah ich wieder diese Zeichnungen, und ich musste aus tiefstem Herzen weinen. Ich wusste, dass das mit dem Russlandfeldzug zu tun hatte. Niemand hatte diese Menschen, deren Gesichter ich sah und diese Grausamkeit, die ihnen angetan wurde, beweint; zumindest niemand von meiner Familie! Und da habe ich gemerkt, was gefehlt hat: Von meinem Kopf her hatte ich Buße getan, aber mein Herz war distanziert. Ich war emotional abgeschnitten gewesen und das ist an diesem Abend zerbrochen. Das hat den Weg geöffnet, dass Jesus mir eine tiefe Last für Menschen aufs Herz legen konnte.
– Sr. Damiana, Ev. Marienschwestern Darmstadt




